Nationalparkdurchquerung, von Bayerisch Eisenstein nach Finsterau

Es war mit Sicherheit eine der anstrengendsten Touren die ich jemals gemacht habe. Mit freundlicher Begleitung von David H. begab ich mich am 05.09.2013 auf die ca. 60km lange Wanderung.
Oder besser gesagt ich begab mich wieder auf die Wanderung. Zu diesem Zeitpunkt war es der dritte Anlauf. Beim ersten mal waren wir total überladen, beim zweiten mal versuchte ich es alleine und beim dritten mal nun sollten wir es am weitesten schaffen…

Vorab erstmal vielleicht noch wie es dazu kam dass ich mir diese Strecke ausgesucht habe. Und zwar hörte ich von Leuten die Non-Stop Wanderungen über einige hundert Kilometer machen. Ich wollte mich einfach dieser Herausforderung stellen und sehen ob ich es schaffe, auch wenn es ein gutes Stück kürzer ist trotzdem diese Distanz wofür man normal drei Tage unterwegs ist auf einmal gehen zu können.

Damit man sich mal vorstellen kann wie die Strecke aussieht hier die Karte

Durchquerung – Karte

mit Link zur Tourenbeschreibung auf www.outdooractive.com.

Einen Tag zuvor parkten wir dann schonmal ein Auto am Wistelberg-Parkplatz in Finsterau, irgendwie mussten wir ja wieder nach Hause kommen wenn wir am Ziel sind. Wir packten unsers Rucksäcke fertig, das Gewicht bei meinem war etwas um die 10 kg. Fehlen durfte natürlich nicht die Polaroid 250 Kamera mit ein paar Packungen Fuji FP3000 Film.
Als das erledigt war machten wir uns noch einen gemütlichen Abend mit einer feinen Pizza und gingen zeitig schlafen.
Und dann ging’s los. Wir fuhren in Freyung so früh los das wir ziemlich genau um 4 Uhr in Bayerisch Eisenstein die Wanderstöcke in die Hände nahmen, die Stirnlampen anknipsten und uns auf den Weg in Richtung Zwieslerwaldhaus machten.
Noch schlaftrunken ging’s die ersten Kilometer in totaler Finsternis und im Schein der Stirnlampe durch den Wald. Die Abzweigung zum Schwellhäusel liesen wir links liegen und folgten dem anderen Weg. Kurz darauf viel uns zum ersten mal die magische Schönheit der Natur in’s Auge. Wir machten eine kurze Rast und hatten die Stirnlampen aus. Kein Licht, kein Geräusch, keine Eile. Und noch dazu ein ganzer Himmel voller Sterne die uns vorkamen als würden sie uns jeden Moment auf unseren Kopf fallen.
Nach ein paar Minuten Innehalten zog es uns aber dann doch weiter. Vorbei am Zwieslerwaldhaus und ab in Richtung der ersten Gipfel, das waren der Kleine sowie der Große Falkenstein. Mittlerweile dämmerte es auch schon schön langsam, d.h. die ersten Fotos konnten gemacht werden.

Durchquerung – Fuji FP3000/I

Was nun darauf folgt ist einer der schönsten Abschnitte des gesamten Nationalparks, die Schachten. Ehemalige Weidegründe mit uralten knorrigen Bäumen die ruhig im Wald liegen, ähnlich kleinen Inseln im Meer. Ich liebe diesen Abschnitt.
Leider befindet sich auch eine überaus langweilige und nie enden wollende Sandstraße auf diesem Streckenabschnitt. Und zwar zieht sich diese monotone Sandstraße nach verlassen des Jährlingsschachten hin bis zum Beginn des Lindberger Schachten. Genauer gesagt knappe 5 km. Hiernach geht die Wunderwelt Schachten, inklusive Moore und Filze, wieder weiter. Vorbei am Latschensee und immer dem Wegweiser, welcher sich ständig vor einem befindet und die Gestalt des Rachels angenommen hat, folgen.

Durchquerung – Fuji FP3000/II

Zu seinem Fuße kann man schon erkennen dass dies der steilste und zugleich anstrengenste Teil der Tour werden wird. Vor allem nach einem halben Tag den man eh schon unterwegs war. Nichtsdestotrotz begannen wir den Anstieg auf den Rachel mit Vorfreude auf eine delikate Mahlzeit auf dem Gipfel. Es darf eine weitere Butterbretze verspeist werden. Mhhh… Salzig und fettig, was kann es besseres geben nach den ganzen süssen Energieriegeln der vergangenen Stunden.
Endlich auf der Rachelwiese angekommen war ich froh den schwierigsten Teil des Aufstieges geschafft zu haben. Noch ein kurzes Stück auf den Gipfel und dann ein paar Minuten Rast. Zuvor hatten wir uns jedoch am Waldschmidthaus noch unsere Wasserreserven aufgefüllt.

Durchquerung – Fuji FP3000/III

Die Bretze war gegessen und ein Teil des Wasservorrats aufgebraucht schon rief der abgelegene Grenzweg zwischen Rachel und Lusen. Durch Wälder mit Tot- und Frischholz, durch Moorgebiete und über leichte Hänge kamen wir der Dämmerung und dem Lusengipfel näher. Das „schlechter“ werdende Licht war auch der Grund wieso es keine Fotos mehr gabt ausser den beiden folgenden.

Durchquerung – Fuji FP3000/IV

Der Sonnenuntergang stand uns kurz bevor und diesen erlebten wir auf dem Gipfel des Lusen. Es war wunderbar dort angekommen zu sein. Wir wussten es war nun nicht mehr all zu weit. Ein Weilchen plauderten wir mit einem Fotografen aus Passau der extra wegen des Neumondes und der Sternenfotografie den Gipfel des Lusen besuchte.
All zu lange hielten wir uns nicht dort oben auf denn es wurde immer dunkler und es dauerte nicht lange und wir brauchten erneut unsere Stirnlampen wieder. Im Schein dieser ging es nun Richtung Kirchlinger Stand. Wir gingen und stolperten den dicht bewachsenen Trampelpfad dorthin entlang.
Über die Schwarzbachklause und die Reschbachklause ging es dann noch auf den Seibensteinkopf. Als wir den erreicht hatten konnten wir somit auch den letzten Gipfel abhaken der auf unserem Plan stand. Teilweise zur Tortur wurde nun der Weg zum Wistelberg. Man spürte deutlich wie die Kraft und die Konzentration nachließ. Wir mobilisierten unsere Letzten Kräfte und schafften auch diese Hürde noch.
Überglücklich erreichten wir nach genau 20 Stunden und 15 Minuten das Auto.

2015 versuchten wir es auch nochmal und scheiterten erneut.

Irgendwie ist mir diese Gesichte nun wieder eingefallen und ich spüre ein seltsames Jucken in den Beinen…

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